DRK O.V. Neuberg

Unsere Geschichte

Entstehung des Roten Kreuzes:

Aufgrund der schrecklichen Erlebnisse und der mangelnden Versorgung der Verwundeten in der Schlacht von Solverino 1859 traf sich der Genfer Henry Dunant mit vier weiteren einflussreichen Personen – unter anderem den Hanauer Arzt Louis Appia, um eine Verbesserung der Versorgung von Verwundeten zu erwirken. So kam es im Oktober 1863 in Genf zu einer ersten internationalen Konferenz, an der Vertreter aus 16 Staaten teilnahmen und grundlegende Leitsätze zur Verwundetenversorgung formulierten.

Es entstand nicht nur ein internationales Schutzzeichen – das Rote Kreuz auf weißem Grund, sondern eine internationale Bewegung. Mit den Genfer Konventionen im August 1864 wurde auch der Grundstein für eine humanitäre Versorgung der Verwundeten gelegt. Bereits 1869 wurde in Hanau der Kreisverein zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger gegründet. Auch Vertreter aus unserem Gemeindeteil Ravolzhausen waren bei der Gründung des Kreisvereins anwesend. Neben der Gründung des Kreisvereins wurden im gleichen Jahr „Lokal-Vereine“ gegründet, die jedoch nicht von Dauer waren. Am 19. Juli 1870 erklärte das Kaiserreich Frankreich dem Königreich Preußen den Krieg. Der Kreisverein sorgte innerhalb kürzester Zeit für den Aufbau der notwendigen Lazarette, sowie die Versorgung und Verpflegung der Verwundeten. Ferner wurden zahlreiche Sachspenden bei dem Verein abgegeben. Im Hanauer Kreisblatt vom 28.09.1870 ist dokumentiert, dass von sämtlichen Gemeinden auch aus Ravolzhausen und Rüdigheim zahlreiche Spenden an die Lazarette geliefert wurden. Die Spendenbereitschaft war enorm. Insgesamt sind in den fünf Lazaretten im Stadt- und Landkreis Hanau über 7000 Verwundete versorgt worden. Die Hanauer Lazarette erzielten aufgrund ihrer guten Versorgung das beste Ergebnis der Lazarette im Deutschen Reich. Das Rote Kreuz war daher in der Bevölkerung hoch anerkannt. In den Jahren von 1871 – 1914 breitete sich der Rotkreuz-Gedanke über die gesamte Welt aus. In allen Kontinenten wurden Rotkreuzgemeinschaften ins Leben gerufen. 1875 betrug die Einwohnerzahl in Ravolzhausen 612 und in Rüdigheim 562. Die ländlichen Gemeinden lebten hauptsächlich vom Handwerk und von der Landwirtschaft während Hanau sich zu einer Industriestadt entwickelte. In Hanau entstanden die ersten freiwilligen Sanitätskolonnen mit Ambulanzdiensten. Die Helfer nahmen neben der Durchführung von Krankentransporten und ambulanter Versorgung an regelmäßigen Übungen teil und sicherten die sanitätsdienstliche Versorgung bei Großveranstaltungen und Festen ab. Während des ersten Weltkrieges 1914-1918 mussten wieder zahlreiche Helfer unzählige Dienste in den umliegenden Lazaretten und Bahnhöfen leisten. Die Bevölkerung unterstützte die Arbeit des Roten Kreuzes durch zahlreiche Spenden. Aufgrund der verheerenden Verluste innerhalb der deutschen Bevölkerung und der massiven Anzahl Verwundeter stieg die Anzahl der Helfer im 1. Weltkrieg stark an. Nach dem Krieg kam der mehrheitliche Wunsch einer Umorientierung des Roten Kreuzes auf. Die Kriegsverwendungen sollten eingeschränkt und die Aufgaben zur Friedensarbeit ausgebaut werden. Die Bevölkerung hatte neben den hohen Kriegs-Verlusten auch mit der einsetzenden Nahrungsmittelknappheit zu kämpfen. Am 25.01.1921 wurde das Deutsche Rote Kreuz als eingetragener Verein in Bamberg gegründet.

Ursprünge des Deutschen Roten Kreuzes in Neuberg:

Die genauen Gründungsdaten der Ortsvereine Ravolzhausen und Rüdigheim konnten bisher nicht erforscht werden. Es ist allerdings in verschiedenen Unterlagen dokumentiert, dass bereits seit über achtzig Jahren ehrenamtliche Helfer in Ravolzhausen und Rüdigheim aktiv tätig waren bzw. sind. 1937 traten Elisabeth Niederhäuser und Edith Nowak in das DRK Rüdigheim ein. Beide waren im zweiten Weltkrieg u.a. in Hanau im Lazarett tätig.

Zeitzeugen aus unserem Verein:

Gertrud Assmann: Frau Assmann betreute während des zweiten Weltkrieges Soldaten in einem Hanauer Lazarett und konnte von den Hanauer Bombennächten berichten. Nach dem Krieg wurde sie zur Betreuung der Vertriebenen eingesetzt. Frau Assmann war viele Jahre Vorsitzende des DRK Ravolzhausen bzw. später Neuberg.

Milla Klees: Frau Klees ist im Juni 1942 in den aktiven Dienst des DRK Ravolzhausen eingetreten. In der ehemaligen Gaststätte „Zur schönen Aussicht“ fand die Ausbildung und Aufnahmeprüfung statt. Bereits ihre Mutter Elise Jäger war vor dem 2. Weltkrieg beim Roten Kreuz in Ravolzhausen aktiv. Es wurde über eine größere Gruppe berichtet, die sich regelmäßig traf und Dienste auf dem Sportfeld verrichtete. Frau Klees leistete zahlreiche Dienste im Hanauer Lazarett zur Versorgung der Soldaten. Nach dem Krieg beendete Frau Klees ihre aktive Arbeit. Sie ist bis heute Mitglied beim DRK und wurde 2017 für 75 Jahre Mitgliedschaft geehrt.

Christel Keller geb. Blache: Frau Keller ist 1949 aktiv in das DRK Ravolzhausen eingetreten. Bereits ihre Mutter Anni Blache war langjährig im Roten Kreuz Ravolzhausen aktiv. Sie hat sehr viele Dienste geleistet und ca. 20 Jahre das DRK Ravolzhausen geleitet. Die Leitung wurde 1972 an Frau Gertrud Assmann übergeben.

Else Assmann: Frau Assmann ist 1939 aktiv in das DRK Ravolzhausen eingetreten. Am 03.03.1989 wurde sie für 50 Jahre aktive Mitgliedschaft vom Landesverband Hessen mit der goldenen Ehrennadel ausgezeichnet. Sie hat über viele Jahre Dienste geleistet.

Festumzug 1955 in Ravolzhausen (von links nach rechts in Dienstkleidung: Frau Else Assmann, Frau Anni Blache und Frau Maria Becker)

Sanitätsdienst im Steinbruch (von links nach rechts: Frau Else Assmann, Herr Heinrich Fuchs, Anni Blache und Frau Maria Becker

Maifeier im Steinbruch Ravolzhausen in den 50er Jahren

Gebietsreform:

Am 01.04.1970 wurden die beiden Gemeinden Ravolzhausen und Rüdigheim zur Gemeinde Neuberg zusammengefasst. Dies führte zu deutlichen Veränderungen in der Vereinsstruktur des Roten Kreuzes. So wurde die bestehende große Ortsvereinigung Rüdigheim-Issigheim quasi zerteilt. Die Mitglieder aus Issigheim wechselten in den kommenden Jahren zum neu gegründeten DRK Bruchköbel, während die Rüdigheimer Mitglieder zusammen mit den Ravolzhäuser Mitgliedern das DRK Neuberg gründeten. Herr Ehrenfried Kling war der erste Bürgermeister der 1970 neu gegründeten Gemeinde Neuberg. Er ist ein langjähriges Mitglied bei uns im DRK und hat einen wesentlichen Beitrag in der aktiven Arbeit, sowie im Vorstand geleistet.

Diese Aufnahme von Herrn Kling stammt aus dem Jahr 1963: Mit Hilfe der US-Amerikaner wird ein großer Gebäudekomplex abgerissen. An gleicher Stelle entsteht später der Kreisel in Ravolzhausen und im Bild links das DRK Haus. Das Haus in der Bildmitte steht heute noch (Langendiebacher Straße 3).

Am 21.04.1975 wurde im Gasthof Adler nach langjähriger Pause eine erste Blutspende durchgeführt. Seitdem werden regelmäßig Blutspendetermine in Neuberg angeboten.
Erst am 30. Januar 1976 – sechs Jahre nach der Gebietsreform - wurde die Namensänderung in „DRK Ortsvereinigung Neuberg“ im Rahmen der Jahreshauptversammlung beschlossen. Die bestehenden Bereitschaften Neuberg und Erlensee beschlossen abwechselnde Unterrichts- und Übungstermine und leisteten gemeinsam Dienste bei Veranstaltungen in Erlensee und Neuberg.
Am 24. März 1976 wurde der erste Bereitschaftsabend im neuen DRK Raum in der Bahnhofstraße 17 durchgeführt.
Am 14.12.1976 wurde eine Gruppe des Jugendrotkreuzes unter der Leitung von Herrn Schwindt gegründet. An den Übungsabenden nahmen bis zu 24 Kinder teil.
1977 wurden durch 45 aktive Helfer ca. 3000 Dienststunden ehrenamtlich geleistet. Zu der Bereitschaftsarbeit und Betreuung der Blutspendetermine ist auch die Seniorenarbeit besonders hervorzuheben. Neben einer Handarbeitsgruppe bestand über viele Jahre eine Gymnastik- und Tanzgruppe. Ab 1992 kam noch die Betreuung von Asylbewerben und eine Selbsthilfegruppe zum Verlust überschüssiger Pfunde unter der Leitung von Ingrid Best hinzu. Ferner wurden Besuchsdienste bei unseren älteren Mitgliedern durchgeführt.
1994 wurde die 50. Blutspende in Neuberg angeboten und eine neue Marktbude im Rahmen des Neuberger Weihnachtsmarktes eingeweiht.
Am 01.01.1995 wird das ehemalige Sportlerheim in der Langendiebacher Straße 1 offiziell zum neuen Vereinshaus des DRK Neuberg.
Am 05.06.1997 wurde unter der Leitung von Mareike Traxel erneut eine Jugendrotkreuzgruppe gegründet. Am Ende des Jahres 2000 erwirbt der Verein einen neuen Mannschaftstransporter. Der VW Bus kann acht Personen, sowie eine komplette Sanitätsausstattung mit Trage befördern. 2002 wurde das DRK Haus umfangreich renoviert und neue Möbel angeschafft. Im Dezember 2002 erfolgte die Einweihung.
Am 15.04.2003 wurde der Babbelnachmittag für Senioren unter der Leitung von Angelika Lieber eingeführt. Die monatlichen Treffen sind bis heute bei unseren Senioren sehr beliebt
Im November 2003 wurde eine neue Garage neben dem DRK Haus auf Kosten des Vereins errichtet. Der Ortsverein wurde von 1994 bis 2016 von Ingrid Best geleitet.

Der Ortsverein Neuberg aktuell:

Durch den im April 2016 neu gewählten Vorstand (Nicole Steffens, Harald Munk und Doris Holzapfel) wird die Aktivierung der Bereitschafts- und Jugendarbeit, sowie die Werbung und Ausbildung von neuen Mitgliedern als grundlegendes Ziel gesetzt. Seit 2016 werden verschiedene Vorträge und Erste-Hilfe-Trainings für die Neuberger Bürger angeboten. Ebenso beteiligen sich die aktiven Helfer des Ortsvereins an Übungen und Fortbildungen und leisten ehrenamtlich Sanitätsdienste. Ab Oktober 2017 wird ein Fahrdienst für unsere Senioren einmal pro Monat nach Hanau angeboten.